Leuner SPD, FWG, Grüne und NPD setzten Waldwirtschaftsplan mit EUR 80.000 Verlust durch

21. Januar 2020

CDU-Fraktion Leun stimmte geschlossen dagegen

Mitte August 2019 hatte das Hessische Forstamt Weilburg der Stadt Leun einen Vorschlag über die Einnahmen und Ausgaben des Waldwirtschaftsplans 2020 zugesendet, in dem ein Überschuss von EUR 1.500,00 vorgesehen war. Im Oktober beschloss die Stadtverordnetenversammlung trotz der Nein-Stimmen der CDU-Fraktion, Hessen-Forst möge den vorgelegten Plan überarbeiten.

Daraufhin hat Hessenforst zwei neue Varianten der Stadt Leun zukommen lassen, in denen jeweils die Einschlagsmenge der Baumart Buche um 1.000 Festmeter reduziert wurde. Variante A sah vor, dass die Pflanzzahlen verfünffacht würden. Mit den Kosten für die Pflanzung durch die Waldarbeiter hätte diese Variante zu einem Verlust von EUR 55.625,00 geführt.

Jedoch entschieden sich SPD, FWG, Grüne und NPD für Variante B, die sogar einen Verlust von EUR 80.620,00 im Waldwirtschaftsplan verursacht. Dieser Verlust wirkt sich direkt im Haushalt der Stadt Leun aus und muss gegenfinanziert werden. Die CDU-Fraktion lehnte dies geschlossen ab. Bei Vorschlag B wurde die Zahl der Pflanzen verzehnfacht, was allein zu EUR 10.000,00 Mehrkosten führt. Hinzu kommen die Kosten für die Pflanzung durch die Forstwirte. Zwar sind bei beiden Varianten die Kosten für Schutzmaßnahmen gegen Wildschäden vorgesehen, allerdings ist auch zu bedenken, dass die nun beschlossenen Maßnahmen Pflegeaufwendungen für einige Jahre nach sich ziehen.

Dem Weilburger Forstamtsleiter Werner Wernecke wurde in der Stadtverordnetenversammlung die Möglichkeit gegeben, die beiden Vorschläge zunächst zu erläutern. Der Fachmann erklärte, dass nach den trockenen Sommern von 2018 und 2019 der hessische Wald in keinem guten Zustand sei. Für Leun trifft das so aber nicht zu. Er teilte explizit mit, dass der Waldbestand in Leun im Vergleich zu anderen Kommunen in Hessen bzw. Deutschland insgesamt sehr gut sei. Zum Beispiel seien im Nordhessischen bis zu den Kreisen Frankenberg und Biedenkopf viel größere Schäden festzustellen. Der 1.014 Hektar große Wald in Leun besteht zu 74 % aus Laubwald. Es habe nur geringe Windwurfschäden 2018 gegeben, stärker hätten sich die trockenen Sommer ausgewirkt. Bundesweit müsse eine Fläche von etwa 250.000 Fußballfeldern aufgeforstet werden, in Hessen etwa 23.000 Hektar und im Weilburger Forst 40 Hektar. „Und Sie haben nur wenige Hektar. Sie in Leun gehören bei uns im Forst zu den am schwächsten betroffenen Gebieten“, hob der Forstamtsleiter hervor.

  • Forstamtsleiter: „Und Sie haben nur wenige Hektar. Sie in Leun gehören bei uns im Forst zu den am schwächsten betroffenen Gebieten“

Aus Sicht der CDU-Fraktion war die Stadt Leun in der Vergangenheit gut von Hessen-Forst beraten worden. So habe gerade die Auswahl der Pflanzenarten in der Vergangenheit dazu geführt, dass der Wald heute so gut dasteht. Vor diesem Hintergrund sei man für den Vorschlag von Hessen-Forst im August 2019 gewesen, der noch einen Überschuss von EUR 1.500,00 vorgesehen hatte. Da nur wenige Hektar aufzuforsten sind, stehen die Flächen für derart umfangreiche Aufforstungen gar nicht zur Verfügung. Ebenso ist gar nicht klar, ob so viele Pflanzen überhaupt geliefert werden könnten. Die Baumschulen würden die Verteilung anhand der Notwendigkeit vornehmen. Und die ist eben im Gegensatz zu anderen Kommunen bei Leun nicht gegeben. Trotz guter Betreuung durch Hessen-Forst in der Vergangenheit, trotz der Erläuterungen des Forstamtsleiters und trotz fehlender Notwendigkeit wurde mit den Stimmen von SPD, Gründe, FWG und NPD ein Waldwirtschaftsplan mit einem Verlust von EUR 80.620,00 beschlossen. Diesen Verlust hat die Stadt Leun zu tragen.

Bürgermeister Björn Hartmann hatte deutlich darauf hingewiesen, dass „jede belastende Veränderung auch eine entlastende Maßnahme bedarf,“ um die Genehmigungsfähigkeit des Leuner Haushalts zu erhalten.

Man kann gespannt sein, welche Vorschläge die vier Parteien vorbringen, um ihren Entschluss zu finanzieren. Abgabenerhöhungen für die Leuner Bürger, um genau diesen Verlust auszugleichen, lehnt die CDU-Fraktion hingegen ab.

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